Presse

Rheinische Post - 13. März 2019

Mit Lang Lang spielte sie vierhändig

 

Die Düsseldorfer Pianistin Laetitia Hahn tritt weltweit auf - und jetzt in der Tonhalle.

 

VON LARS WALLERANG

 

Sie ist erst 15 und tritt schon längst mit großen Orchestern auf. Konzerte von Beethoven und Schumann hat sie im Repertoire, nun auch das berühmte a-MolI-Konzert des Norwegers Edvard Grieg. Wir besuchten die' gebürtige Düsseldorferin, die heute in Frankfurt und Zürich studiert, bei der Probe mit der Philharmonischen Gesellschaft. Mit dabei waren die Eltern und der jüngere Bruder Phllip, der auch Klavier spielt und gelegentlich mit seiner schon ziemlich berühmten Schwester auftritt.

 

Die Eltern fördern und managen Laetitia nach Kräften. Doch üben muss die junge Musikerin freilich selber. Und sie zeigt keine Angst vor schweren Brocken. Tschaikowskys Erstes stehe noch auf der Agenda und das Zweite von Brahms - eines der anspruchsvollsten Klavierkonzerte des 19. Jahrhunderts. Monatelang müsse sie nicht üben, sagte Laetitia. "Ich übe nicht gerne Stücke, die ich erst in einem Jahr spielen soll", erklärte sie mit großer Selbstverständlichkeit. Dafür seien die letzten Wochen vor dem Auftritt sehr intensiv.

 

An der Düsseldorfer Robert -Schumann-Hochschule hat sie siebenjährig  im Rahmen von "Schumann Junior" Geige bei Ida Bieler studiert und das Klavier als Zweitinstrument hinzugenommen. Doch dann änderte sich die Präferenz: Sie nahm an einem Meisterkurs des chinesischen Starpianisten Lang Lang teil. Er habe sie stark inspiriert. Und fortan spielt das Pianoforte die Hauptrolle im Leben der Laetitia Hahn.

 

Unterricht erhielt sie auch vom Altmeister Dmitri Baschkirow, Schwiegervater Daniel Barenboims. Baschkirow ist sehr genau und achtet auf jede Note", berichtet Laetitia. Ganz anders sei das bei Lang Lang: "Er sagt sehr interessante Sachen, die sich nicht ganz aus dem Notentext erschließen, aber trotzdem logisch sind", sagt Laetitia voller Anerkennung. Ihr gebe das sehr viel. In China hat sie einen" Ungarischen Tanz" von Brahms mit Lang Lang vierhändig gespielt - vor 1000 Besuchern in einem großen Fernsehstudio. und 200 Millionen Zuschauern vor den Bildschirmen. "Nur ein kleines Publikum",  soll Lang Lang zu diesen Zahlen gesagt haben chinesische Dimensionen.                                                                                                                                                                                                                                                        

 


Rheinische Post - 16. März 2015


Titanen nach Feierabend

Von Armin Kaumanns  
FOTO: Andreas Krebs 

Die Musiker der Violoncelli und Kontrabässe, die in der Philharmonischen Gesellschaft  spielen, proben im Saal der Mörsenbroicher Mormonen-Gemeinde. Für das nächste Konzert  erarbeiten die Amateure mit hohem Anspruch unter anderem Gustav Mahlers 1. Symphonie  ("Der Titan"). 


Auch Laien dürfen Symphonien spielen: Die Philharmonische Gesellschaft wagt sich seit  Jahren mit Erfolg an große Werke der Musikliteratur. Seit zehn Jahren leitet Thomas  Schlerka das Ensemble. Am Samstag ist das nächste Konzert. Um zehn vor acht eilt verschämt ein Herr im Business-Anzug in den Saal der Mormonen-Gemeinde am Mörsenbroicher Weg. Rasch wuchtet er seinen Geigenkasten neben andere  auf den Tisch, packt Instrument, Noten, Bleistift, spannt den Bogen, fingert kurz nach der  Stimmung der Saiten und wirft sich nahtlos ins Getümmel des rustikal stapfenden Ländlers aus Mahlers 1. Symphonie, genannt der  "Titan". Die Celli poltern, die gestopften Hörner jubeln, die Turnhallen-Akustik des Betsaals ächzt vor lauter Begeisterung, wie sie die Mitglieder der Philharmonischen Gesellschaft seit einer Viertelstunde verströmen.


Es ist Mittwochabend: Orchesterprobe. Keine zwei Wochen mehr bis zum Höhepunkt des Jahres, dem Konzert in der Tonhalle.  An die 100 Musiker werden am Samstag, 21. März, auf der Bühne in Düsseldorfs Konzerthaus sitzen  und neben Mahlers "Der Titan" Bruchs Violinkonzert (mit der jungen Geigerin Judith Stapf) und die  Ouvertüre aus "Hänsel und Gretel" spielen - ein ganz schön anspruchsvolles Programm für Laien. "Das  Orchester ist neugierig, ehrgeizig und anspruchsvoll. Und mit so viel Spaß und Können bei der Sache,  dass es mich als Dirigent regelrecht beglückt."  Das sagt Thomas Schlerka (40), der seit zehn Jahren die Philharmonische Gesellschaft vom Pult aus zu  immer neuen Ufern führt.

Letztes Jahr war mit der "Queen-Symphony" die Tonhalle fast ausverkauft,  jetzt steht mit Mahler ein wahrhaft "dicker Brocken" auf dem Programm. "Ich kann die Entwicklung des Orchesters nur als durchweg  positiv bezeichnen. Wir haben zusammen einiges an Staub weggeblasen, etliche junge Musiker sind dazugekommen, Stimmproben mit  Profis tun ihre Wirkung", sagt Dirigent Schlerka.   

In Düsseldorf tritt Laetitia Hahn nun nicht mit Stars auf, sondern mit einem traditionsreichen Liebhaberorchester.  Thomas Schlerka, seit 2004 als Nachfolger von Jürgen Wolf, kommt zur Tür herein. Gleich ist ja Probe. Besprochen wird zunächst nicht viel. "Wir fangen einfach mal an, und wenn wir auseinander kommen, sprechen wir ein bisschen", lautet der sympathisch laxe Plan.

 

Geprobt habe man das Grieg-Konzert natürlich schon länger, sagt Schlerka, doch nun sei die erste Probe mit Solistin. Und los, geht es im Probensaal, den die Mormonen-Gemeinde am Mörsenbroicher Weg dem Orchester seit Jahrzehnten zur Verfügung stellt. Laetitia, die einen bereits mit kräftigem Händedruck begrüßt hatte, greift nun mit Wucht in die Tasten. Und der Kopfsatz gelingt auf Anhieb sehr flüssig.

 

Info Am Samstag, 16: März, 19 Uhr, erklingt das Konzert in der Tonhalle. Ebenfalls auf dem Programm: Glinkas schmissige Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla" und Schostakowitschs 9. Symphonie - eine heimliche Karikatur des Stalin-Regimes. 

 

 

Quelle RP                                                                                                          

 


"Ohne Musik geht's nicht", bekennt Gabriela Drees-Holz. Sie ist seit 26 Jahren die 2. Flöte des Orchesters, im anderen Leben Objekt-  Künstlerin. Die 59-Jährige hatte ein Jahr ausgesetzt – es fehlte ihr etwas Wesentliches. Vera Lachmann (26) verjüngt die 2. Geigen. Die  angehende Ärztin ist seit anderthalb Jahren dabei: "Das ist für uns alle ein tolles Hobby und für viele ein wunderbarer Ausgleich für den  oft stressigen Alltag", strahlt sie. Man sitzt an mitgebrachten Notenpulten, Krawatten tragen nur die Abgehetzten. Hier verbindet Musik  Generationen, Berufsstände.


Das Können der Laien lässt sich hören, Schwächere werden von Besseren mitgezogen. Gemeinsam ist allen  der Spaß. "Das ist das Wichtigste", sagt Schlerka und führt das Regiment entsprechend.


Die Philharmonische Gesellschaft ist ein Verein. Mit Vorstand, Hauptversammlung, Jahresbeitrag 120 Euro. Mitmachen kann jeder, der  sein Instrument gut genug beherrscht. "Das merken wir und jeder selbst nach ein paar Proben", weiß Vorsitzende Ursula Neubert aus  langer Erfahrung. Neue bekommen eine Art Paten und wachsen so in eine Gemeinschaft, in der sich "niemand fremd" ist, wie es die 2.  Vorsitzende Jasmin Bird ausdrückt.


Nach der Probe geht's auch mal zum Italiener, zum Geburtstag gibt's einen Tusch, für runde Jubiläen  ein "Jubelkomitee", daneben Sommerfest und regelmäßig Konzertreisen, dieses Jahr nach London zu einem befreundeten Orchester.  Immer wieder und versiert spielt das Orchester Oper oder Operette mit dem Chor der Mormonen-Gemeinde, in diesem Jahr ist eine  Revue im Theater Solingen projektiert. 


Mahlers "Titan" braucht noch etwas Putzarbeit. Sechs Hörner wollen gerade nicht so wie der Dirigent. "Die Übernahmen schleppen", tönt  es aus dem Blech. Beim neuerlichen Durchlauf klappt's. "Geht doch!", frotzelt Horn 3. Die Heiterkeit ist allgemein. 


Quelle: RP